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Seidene Worte und freundliche Sanftmuth. Pfeile durchbohren den Leib, aber böse Worte die Seele. Ein wohlriechender Teig verursacht einen angenehmen Athem. Es ist eine große Lebensklugheit, es zu verstehen, die Luft zu verkaufen. Das Meiste wird mit Worten bezahlt, und mittelst ihrer kann man Unmöglichkeiten durchsetzen. So treibt man in der Luft Handel mit der Luft; und der königliche Athem vermag Muth und Kraft einzuflößen. Allezeit habe man den Mund voll Zucker, um seine Worte damit zu versüßen, so daß sie selbst dem Feinde wohlschmecken. Um liebenswürdig zu seyn, ist das Hauptmittel friedfertig zu seyn.

"Hand-Orakel No. 267"



Der Kluge thue gleich Anfangs, was der Dumme erst am Ende.Der Eine und der Andere thut das selbe; nur in der Zeit liegt der Unterschied: jener thut es zur rechten, dieser zur unrechten. Wer sich einmal von Haus aus den Verstand verkehrt angezogen hat, fährt nun immer so fort: was er auf den Kopf setzen sollte, trägt er an den Füßen, aus dem Linken macht er das Rechte und ist so ferner in allen seinem Thun linkisch. Nur eine gute Art auf den rechten Weg zu kommen giebt es für ihn, wann er nämlich gezwungen thut, was er hätte freiwillig thun können. Der Kluge dagegen sieht gleich was früh oder spät geschehen muß: und da führt er es gernwillig und mit Ehren aus.

"Hand-Orakel No. 268"



Sich sein Neuseyn zu Nutze machen: denn solange Jemand noch neu ist, ist er geschätzt. Das Neue gefällt, der Abwechslung wegen, allgemein, der Geschmack erfrischt sich daran, und eine funkelnagelneue Mittelmäßigkeit wird höher geschätzt, als ein schon gewohntes Vortreffliches. Das Ausgezeichnete nutzt sich ab und wird allmälig alt. Jedoch soll man wissen, daß jene Glorie der Neuheit von kurzer Dauer seyn wird: nach vier Tagen wird die Hochachtung sich schon verlieren. Deshalb verstehe man, sich diese Erstlinge der Werthschätzung zu Nutze zu machen und ergreife auf dieser schnellen Flucht des Beifalls alles, wonach man füglich trachten kann. Denn ist einmal die Hitze der Neuheit vorüber; so kühlt sich die Leidenschaft ab: dann muß die Begünstigung des Neuen gegen den Ueberdruß am Gewöhnlichen vertauscht werden, und man glaube nur, daß Alles eben so seine Zeit gehabt hat, welche vorübergieng.


"Hand-Orakel No. 269"




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