Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit - Oraculo manual y arte de prudentia

Unter dem barocken Titel 'Oráculo manual y Arte de Prudencia. Sacada de los aforismos que se discurren en las obras de Lorenco Gracián, que publica don Vincencio Juan de Lastanosa' (Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit. Blütenlese der in den Werken Lorenzo Graciáns enthaltenen Aphorismen) erscheint unter dem Pseudonym seines Bruders 1647 in Huesca dieses berühmte Buch.

Die älteste deutsche Übersetzung ist die Übertragung einer französischen Übersetzung (1684 durch Amelot de la Houssaie) 'L'homme de cour oder B. Graciáns Vollkommener Staats- und Weltweise' aus dem Jahr 1687 von Joh. Leonhard Sauter.

 

Bibliographische Angabe: GRACIAN, B. L'homme de cour Oder ... Vollkommener Staats- und Welt-Weise. "2 Teile in 1 Bd. Leipzig, A. G. Kromayer, 1686. 12mo. Doppelblatt-gr. illustr. Kupfertitel, 70 Bl., 690 S.; 159 Bl. Pgtbd d. Zeit.

"Die seltene erste deutsche Ausgabe, übersetzt von G. L. Sauter nach der französischen Ausgabe von Amelot de la Houssaie. Die spanische Originalausgabe war zuerst 1646 erschienen. Die verspätete deutsche Rezeption Gracians spiegelt einen hier erst jetzt einsetzenden tiefgreifenden Wandel der gesellschaftlichen Sitten und des literarischen Geschmack wieder. Für Gracian war der Hof keine paternalistische Idylle mehr, sondern ein Ort des Kampfes der Interessen, der Intrige und des politischen Durchsetzungswillens. "

 

1862 erscheint in Deutschland Gracians Hand-Orakel in der Übersetzung Arthur Schopenhauers. Schopenhauer weiß um den Rang Gracians in der europäischen Geistesgeschichte. Dieses Buch wurde in ganz Europa vorher unzählige Male übersetzt - der Sprachvirtuose Schopenhauer schuf die definive deutsche Version der dreihundert Gedanken über Lebenskunst.

In dreihundert Gedanken liefert uns Gracian ein einzigartigen Einblick in die Mechanik der Macht und der Lebenskunst. Selten gab es einen Menschen, der so tief das Alltagsleben als ein wirres Spiel von Schein und Sein entlarvte. Nietzsche schätzte diesen Seelenkundler und sprachmächtigen Jesuiten - diesen nie moralisierenden Moralisten.