El Comulgador

1655 als einziges Werk unter seinem eigenen Namen erschienen.

Diese Schrift erlebte viele Übersetzungen und wurde in der geistlichen Praxis lange verwendet. Eine deutsche Übersetzung wurde 1734 unter dem Titel: "Balthasar Gracian SJ: Communion-Buch, Enthaltend Verschiedene Betrachtungen, Für dienjenige, Welche die heilige Communion begehen wollen; Zur Vorbereitung und Danksagung, Gezogen aus dem Alten und Neuen Testament; Eingetheilet auf alle Sonn- und Feyertaeg des gantzen Jahres." in Würzburg veröffentlicht. Als Übersetzer wird der 'Versetzer des Welt-Eckels' genannt.

Über dieses geistliche Werk, bestehend aus fünfzig Koommunionsbetrachtungen, schreibt Gracian in der barocken Sprache seines Übersetzeres an den Leser: "Unter verschiedenen Büchern, die mir seynd zugeeignet worden, erkenne ich dieses allein für das Meinige, und gebe es aus für eigene arbeit; als in welchem ich mehr dem inbrünstigen Willen, als dem künstlichen Verstand den Zaum habe schießen lassen".

Vermutlich ist dieses Buch als ein Versöhnungsangebot an seinen Orden aufzufassen - angesichts eines sich zuspitzenden Konflikts zwischen ihm und seinem Orden. Er nennt jedoch noch einen anderen Grund:"Ich habe mich in einer Lebens-Gefahr verlobt, dem Urheber des Lebens aufzuwarten mit dieser geringschätzigen Gaab; solche thue ich nun abstatten, in Angesicht seines gantzen Volcks, durch gegenwärtigen Abdruck, womit ich denen andächtigen Seelen eins zutrincke, aus dem Kelch des ewigen Heyls."

Welche Lebens-Gefahr Gracian hier meint, bleibt unklar. Möglicherweise spielt er auf seine Tätigkeit als Feldgeiistlicher an; so hatte er in dieser Rolle auch an an Schlachten teilgenommen, vermutlich unter Lebensgefahr. Gracian fährt laut Übersetzung fort:" Ich nenne es ein Communion-Buch, und verbinde es dich unabläßlich zu begleiten, so oft du zur Communion gehest, habe es auch solchermassen gestaltet, daß du es gemächlich kanst bey dir tragen." Somit schreibt Gracian gleichsam das geistliche Pendant zu seinem 'Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit'. Gracian gibt im Vorwort auch Auskunft über Aufbau und Ziele der Veröffentlichung: "Die Betrachtungen folgen Wechsel-weiß, gezogen aus dem alten und neuen Testament, so wohl wegen der Verschiedenheit, als wegen des Beweißthums; und in jeder dienet der erste Absatz zur Vorbereitung, der andere zur Communion, der dritte den Nutzen daraus zu schöpfen, und der vierte Danck zu sagen." Das Vorwort endet naturgemäß mit seinen Reflexionen über den angewandten Stil: "Die Schreib-Art ist nach der Kürtze der Zeit eingerichtet; ich thue nicht anzeigen die Stelle aus der heiligen Schrift; dann für die Gelehrte wäre es überflüssig, und für die übrige weitläufig. So fern dieses Werck deinem Belieben ein Genügen geben wird, so verspreche ich dir noch ein anderweiteres von hohem Werth; nemlich den kostbaren Tod des Gerechten genannt, mit anmüthigen Unterredungen, nutzbaren Betrachtunge, und mit heilsamen und andächtigen Gebetteren für die Hinscheidende."

Schwierig ist es, dieses religiöse Werk in einen inhaltlichen Zusammenhang mit den übrigen politischen Schriften Gracians zu bringen - aber heißt es nicht auch im Hand-Orakel, dass Ziel eines Lebens es sei, ein Heiliger zu werden?

Vielleicht erjagen Sie Gracians Handbuch zur Kommunion in einem Antiquariat; es gibt gegenwärtig keine moderne Übersetzung.